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Von Graffiti-Künstlern gesprühte Wandbilder erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Auch die NHW lässt in ihren Liegenschaften manche Hauswand farbenfroh gestalten. Die Wandgemälde sind nicht nur schön anzusehen, fast immer haben sie auch eine Botschaft.

Kaum noch werden heute Graffiti mit illegalen Schmierereien im öffentlichen Raum in Verbindung gebracht. Mit ihrem Reichtum an Techniken und Motiven ist die Sprühkunst zu einer beliebten Form der Streetart geworden und damit im Mainstream angekommen. Immer häufiger zieren kunstvoll gestaltete Wandbilder die Fassaden von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden. Manche dienen schlicht der Verschönerung trister Hauswände, andere weisen auf gesellschaftlich aktuelle Themen hin. Doch alle sind sie einmalig und so unterschiedlich wie die Künstlerinnen und Künstler, die sie schufen. Die Palette reicht von grafisch strengen Motiven in Schwarzweiß bis hin zu quietschbunten Comic- und fotorealistischen Bildern. Auch die Wandbilder, die man inzwischen an einigen NHW-Gebäuden bestaunen kann, sind Unikate.

Wahrzeichen für Toleranz

Viele der Wandgemälde an NHW-Gebäuden entstanden auf Initiative der Graffiti-Künstler:innen. Das wohl bekannteste befindet sich auf einer Hauswand in der Melibocusstraße 86 in Frankfurt-Niederrad. Gestaltet wurde das Gemälde vom Frankfurter Künstler Mathias Weinfurter, der damit ein Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus setzen wollte. "Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien" steht mit großen roten Lettern an der Hauswand. Den Hintergrund bildet das Konterfei des Fußballers Anthony Yeboah und das Adler-Logo von Eintracht Frankfurt. Lange Zeit war der Ghanaer ein beliebter Spieler bei dem Bundesligaverein, jedoch aufgrund seiner Hautfarbe sowohl im Stadion als auch außerhalb Anfeindungen ausgesetzt. Das Kunstprojekt entstand 2014 in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Fanprojekt. Das Wandgemälde besitzt eine perfekte Lage, denn man kann es von der stark frequentierten S-Bahn-Haltestelle Niederrad aus gut sehen.

Begegnung auf Augenhöhe

Ein weiteres gelungenes Beispiel für Fassadenkunst mit einer Botschaft entstand 2019 beim Meeting of Styles, einem internationalen Treffen von Graffiti-Künstlern am Brückenkopf im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel. Für das Festival stellte die NHW die Fassade eines ihrer Gebäude im Wohngebiet Krautgärten zur Verfügung und ließ dieses vom Frankfurter Künstler Justus Becker alias COR gestalten. Das Kunstwerk zeigt zwei Menschen, die sich tief in die Augen schauen. „Begegnung (auf Augenhöhe)“ lautet der Titel des 250 Quadratmeter großen Monumentalbildes. Es ist ein farbenfrohes Statement für Gleichberechtigung und gegen Rassismus. "Das Kunstwerk passt perfekt zum Selbstverständnis der NHW", sagt Servicecenter-Leiter Tobias Bundschuh. "Schließlich pflegen in vielen unserer Quartiere Menschen unterschiedlicher Herkunft ein friedliches und nachbarschaftliches Miteinander auf Augenhöhe."

Sprühen fürs Klima

Motive zum Thema Klimawandel findet man inzwischen an vielen Hauswänden. Auch der NHW ist der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen. Daher erhielt Graffiti-Künstler Justus Becker 2019 erneut die Gelegenheit, die Hauswand eines Wohngebäudes der Unternehmensgruppe zu gestalten. Diesmal ging es um eine Klimaschutz-Kampagne des Hessischen Umweltministeriums. Mehr als 60 Stunden arbeitete der Künstler an dem Motiv, das sich über die gesamte, 25 Meter hohe Wand zieht. Es zeigt zwei Zukunftsszenarien: Auf der rechten Seite sieht man eine grüne Landschaft mit erneuerbaren Energien und einem naturverbundenen Stadtbild, links dagegen eine vertrocknende und verschmutzte Welt. Gemäß dem Titel des Gemäldes „Gemeinsam noch was drehen“ drehen darunter zwei Hände an einem Zauberwürfel mit Weltkartenmotiv. "Das Graffiti soll vor allem wachrütteln, Hoffnung geben und zum Handeln ermutigen", sagte die damalige Umweltministerin Priska Hinz bei der Vorstellung des Kunstwerks im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

Wandbild mit politischer Aussage

Auch im osthessischen Fulda wurden einige NHW-Gebäude mit Wandbildern verschönert. Ein Motiv mit einer ganz besonderen Aussage findet sich in der Bonhoefferstraße im Stadtteil Ziehers-Nord. Es zeigt den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der ein Mitglied des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus war. Er wurde kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Die Idee für das Wandbild stammte von alsecco, dem Hersteller des Wärmeverbundsystems, das bei der Modernisierung des Gebäudes 2016 zum Einsatz kam. Das Zitat "Dankbarkeit macht das Leben erst reich" hatten Axel Wiemer und Mathias Hofmann vom Fachbereich Projektabwicklung 3 ausgesucht.

Neuer Anstrich im Jugendtreffpunkt

Neben großflächigen Wandbildern unterstützt die HHW auch klassische Sprühkunst in ihren Quartieren. Ein schönes Beispiel ist das DRK Jugend- und Familienzentrum in Hünfeld, einer kleinen Stadt im Landkreis Fulda. Im Zuge der Neuausrichtung des Zentrums für Jugendarbeit wurden die Mauern im Innenhof des Gebäudes neu gestrichen. Bei einer Sprühaktion konnten Jugendliche eine Wand nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten. Die NHW erklärte sich bereit, die Materialkosten in Höhe von 3.000 Euro zur Verfügung zu stellen. "Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren sehr eng und erfolgreich mit dem Jugend- und Familienzentrum zusammen", begründet Romy Rath, Leiterin des Servicecenters Fulda, ihr Engagement. "Diese Einrichtung ist für uns ein starker Partner im Quartier und eine wichtige Anlaufstelle für unsere Mieterinnen und Mieter im Tiergartenviertel."

Rastergrafik im Da Vinci Garten

Nicht immer geht es den Graffiti-Künstler:innen beim Besprühen von Hauswänden um eine besondere Aussage. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie im Auftrag von Unternehmen agieren. Gefragt ist oftmals eine Verschönerung von Gebäuden oder ganzen Anlagen. An der Leonardo-da-Vinci-Allee im Frankfurter Stadtteil Bockenheim errichtete die NHW 2020 den Da-Vinci Garten, einen Gebäudekomplex mit insgesamt 121 neuen Wohnungen. Um den Innenhof, in dem es auch eine Kindertagesstätte gibt, farbenfroher zu gestalten, wurden Künstler der Agentur artmos4 beauftragt. Zu sehen sind ein großer Schriftzug und Da Vinci sowie die Mona Lisa als Rastergrafik. "Mit dem Graffiti ging es uns darum, einen Bezug zum Quartier herzustellen, sowohl für die Mieter als auch für die Öffentlichkeit", sagt Holger Lack, Leiter des Regionalcenters Frankfurt.