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Das Spessartviertel in Dietzenbach ist in den 1990er Jahren ein sozialer Brennpunkt – das will die Nassauische Heimstätte ändern. 2001 hat sich der Hessische Rundfunk dort umgesehen.

Als die hr-Sendung Hauptsache Kultur im berüchtigten Spessartviertel in Dietzenbach dreht, hat sich schon einiges zum Positiven gewandelt. Dem östlichen Spessartviertel, ehemals Starkenburgring, eilt in den 1990er Jahren miserabler Ruf voraus: Begriffe wie Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, Vandalismus sind mit dem Quartier verbunden. Dort leben in fünf Wohnhochhäusern mit 1.020 Wohnungen, die 700 Eigentümern gehören, rund 4.500 Bewohner aus etwa 80 Nationen. 1998 übernimmt die Nassauische Heimstätte als „Nothelfer“ die Gesamtverantwortung für die Entwicklung des Viertels und etabliert dort ein koordiniertes Quartiersmanagement.

Das Projekt der Heimstätte basiert auf dem Konzept „Aus Betroffenen Beteiligte machen“. Ein Beispiel: Mit den Kindern und Jugendlichen schafft sie eine „Planerinsel“, einen wettergeschützten Sitzplatz, der künftig allen zur Verfügung steht. Besonderes Augenmerk gilt dem sanierungsbedürftigen Außengelände. Ein „Wohnen außerhalb der Wohnungen“ findet bis dato so gut wie nicht statt. Dies will die NH nachhaltig ändern und damit auch die soziale Kontrolle im öffentlichen Raum stärken. Die Nassauische Heimstätte überdenkt hier paradigmatisch bisherige Bau- und Siedlungsstrukturen, etwa die auf traditionelle deutsche Kleinfamilien ausgerichteten Grundrisse, und erarbeitet Pläne, um Freiflächen und öffentliche Räume in die Stadtgestaltung einzubeziehen. Die Modernisierung der technischen Infrastruktur, ein Farbkonzept für die Flure und ein Sicherheitskonzept mit Videoüberwachung sowie die Einstellung von Hausbetreuern – zunächst über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen – und die Einrichtung von Mietergärten sind weitere Bausteine der Überlegungen, die zudem eine ethnologische Komponente besitzen. 2002 werden die Maßnahmen unter dem Stichwort „Bürgerkompetenz im Spessartviertel“ im Wettbewerb „Soziale Stadt 2002“ ausgezeichnet.

© Hessischer Rundfunk – www.hr.de